Meldepflicht für Ladestationen

Ladestationen für Elektroautos müssen angemeldet oder sogar genehmigt werden!

Ob im öffentlichen Raum oder auf privatem Gelände – Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge müssen beim örtlichen Netzbetreiber vor der Installation und Inbetriebnahme angemeldet werden. Dazu sind alle Betreiber von Ladeeinrichtungen seit der Änderung der Niederspannungsanschlussverordnung im März 2019 verpflichtet und dies unabhängig davon, ob es sich um Privathaushalte, Gewerbe oder öffentliche Nutzung handelt. Dies ergibt sich aus dem §19 der Niederspannungsanschlussverordnung, kurz NAV. Hintergrund dieser am 21.03.2019 in Kraft getretenen Verordnung ist die Tatsache, dass bis zu diesem Zeitpunkt jeder Netzbetreiber seine eigenen Vorstellungen hatte, was wann und wie anzumelden oder gar zu genehmigen war. Bei manchen Netzbetreibern musste man so zum Beispiel eine Ladeeinrichtung ab 4,6 kW anmelden, bei manchen erst ab 11 kW – wieder andere sahen eine Meldepflicht bis dato nicht vor. Die Verordnungsänderung regelt die Meldepflicht nun deutschlandweit einheitlich. Dies war auch notwendig, denn einer Umfrage zufolge sind nur etwa 10.000 private Ladepunkte, vor allem mit Leistungen von 11 und 22 kW, den Netzbetreibern bekannt, was in etwa 15 % der deutschlandweiten privaten Ladeeinrichtungen entspricht. Der Großteil der Netzbetreiber hat sich deswegen für eine Meldepflicht ausgesprochen , um mehr Steuerbarkeit der privaten Ladeinfrastruktur und den damit verbundenen Anforderungen an die Infrastruktur zu generieren. Jedoch vor als auch nach der Gesetzesänderung konnte und kann man teils sehr unterschiedliche Meldevorschriften seitens der Netzbetreiber finden – von der Genehmigung ab 4,6 oder 11 kW bis hin zur generellen Genehmigungspflicht oder gar dem Entfall der Genehmigung.

Diese Regelung ist wichtig, damit der Netzbetreiber einen Überblick hat, welche Verbraucher im Netz angeschlossen sind, diese gezielt steuern oder das Netz durch einen entsprechenden Ausbau auf die Elektromobilität vorbereiten kann.

Wichtig zu Wissen ist:
Stromanbieter ist nicht gleich Netzbetreiber. Wenn Sie sich nicht sicher sind, dann fragen Sie bei Ihrem Stromanbieter nach. Diese erteilt Ihnen Auskunft über den für Sie zuständigen Netzbetreiber.

Wann muss eine Wallbox angemeldet und wann muss sie sogar genehmigt werden?

Grundsätzlich, wie bereits erwähnt gibt es zwei Varianten. Die erste Variante, die Ladeeinrichtungen unter 12 kVa bzw. bis genau 12 kVa betreffen, ist die einfachere. Hier ist es lediglich notwendig, den Netzbetreiber mittels Formular über die Installation und die Inbetriebnahme zu informieren.

Die zweite und aufwändigere Variante betrifft jene Ladeeinrichtungen, die eine Leistung oberhalb von 12 kVa aufweisen. Hier sieht die NAV vor, dass vor der Installation und Inbetriebnahme eine Genehmigung durch den Netzbetreiber erfolgen muss. Ladeinfrastruktur darf also erst installiert werden, wenn dem installierenden Elektriker oder dem Endverbraucher eine Genehmigung zur Installation und Inbetriebnahme vorliegt.

Beträgt die Summenbemessungsleistung weniger als 12 kVA (z.B. 11 kW), aber mehr als 3,6 kVA (also Laden ab 3,7 kW), so ist die Ladeeinrichtung gemäß der Technischen Anschlussregeln Niederspannung (VDE-AR-N 4100) anmeldepflichtig. Ist die Summenbemessungsleistung größer als 12 kVA, dann ist sie sogar genehmigungspflichtig.

kVA (Kilovoltampere) entspricht der Bemessungsscheinleistung, als Umrechnungsfaktor wird cosΦ, der Phasenverschiebungsfaktor verwendet (aus VDE-AR-N 4100) à 0,95 bis 1

Ein Rechenbeispiel anhand einer 22 kW Wallbox:
22kW/0.95 = 23,16 kVa > 12 kVa = Die Wallbox ist genehmigungspflichtig!

Ein Rechnenbeispiel anhand eine 11 kW Wallbox:
11 kW/0,95 = 11.58 kVA < 12 kVA = Die Wallbox ist lediglich anmeldepflichtig!

Warum muss ich meine Ladeeinrichtung anmelden oder genehmigen lassen?

Die Ausweitung der Elektromobilität bringt einen zunehmendem Lastzuwachs in der vorhandenen Infrastruktur des Niederspannungsnetzes mit sich. Ohne das Wissen um Ladevorrichtungen und die Möglichkeit der Steuerung sowie der frühzeitigen Erkennung von Gefahrenpotenzialen seitens des Netzbetreibers kann das Netz sehr schnell überlastet werden und im schlimmsten Fall gibt es durch Überlastung ausgelöste Ausfälle oder gar Brände in Trafostationen.

Ein detaillierterer Überblick zur existierenden Ladeinfrastruktur, eine frühzeitige Möglichkeit zur Netzerweiterung sowie die Option der netzdienlichen Steuerung von Ladeinfrastruktur ermöglichen es Netzbetreibern auch zukünftig Netzsicherheit Ausfall- und Überspannungsfrei zu gewährleisten.

Kurz gefasst regelt die NAV somit das Verhältnis zwischen Netzbetreiber und dem Anschlussnehmer.

Was muss ich tun, bevor die Ladeeinrichtung installiert wird?

  • Installationscheck des Elektrikers bei konkreten Installationsplanungen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden uns sicherzustellen, dass die vorhandene Hausinstallation ausreichend abgesichert ist, wie auch alle notwendigen Komponenten vorhanden sind.

  • Liegt die zu installierende Ladevorrichtung unterhalb von 12 kVA Summenbemessungsleistung ist die Ladestation beim Netzbetreiber lediglich anzumelden.

  • Liegt die Summenbemessungsleistung oberhalb von 12 kVa pro elektrischer Anlage, so besteht neben der Anmeldepflicht auch die Genehmigungspflicht. Dies gilt ebenfalls, wenn Sie zwei 11 kW Wallboxen installieren möchten, da hier eine Aufrechnung erfolgt!

  • Einreichen des entsprechenden Formulars beim zuständigen Netzbetreiber (in der Regel durch den installierenden Elektriker)

  • Auf Rückmeldung des Netzbetreibers warten

Wie geht es nach der Anmeldung bzw. dem Genehmigungsantrag weiter?

Nach Eingang des Formulars hat der Netzbetreiber zwei Monate Zeit für eine Stellungnahme. Bei einer Ablehnung, die in den seltensten Fällen erfolgt, muss der Netzbetreiber mögliche Abhilfemaßnahmen seinerseits oder seitens des Anschlussnehmers zeitlich festlegen.

Genehmigung oder Ablehnung

  • Der Netzbetreiber stimmt der Installation zu:
    Wird die Ladestation seitens des Netzbetreibers genehmigt, kann die gewünschte Ladeleistung problemlos zur Verfügung gestellt werden. In der Regel sollte wenige Wochen nach der Anmeldung eine Anschlusszusage mit einer Gültigkeit von 4 Monaten eintreffen. In dieser Zeit muss die Ladestation von einem Elektroinstallateur oder eine anderen geeigneten Fachfirma installiert und in Betrieb genommen werden.

  • Netzbetreiber verweigert die Genehmigung der Ladestation:
    Wird die Installation der Ladestation nicht genehmigt liegt es an einzelnen Teilen des Stromnetzes, die nicht für solch hohe Leistungen ausgelegt sind. Das könnten dann zum Beispiel Leitungen oder Sicherungen sein. In diesem Fall müssen die entsprechenden Teile vor der Installation der Ladestation angepasst werden. Die Kosten für die Änderungen trägt der Antragsteller, der die Wallbox installieren möchte. Erst nach Abschluss aller Maßnahmen und Arbeiten darf die Ladestation dann von einem Fachmann installiert und in Betrieb genommen werden.

Müssen mobile LAdestationen wie NRGkick, go-eCharger usw. auch angemeldet werden?

Unabhängig davon, ob es sich um eine fest installierte oder mobile Ladeeinrichtung handelt, es ist für die Genehmigung unerheblich (siehe §19 NAV). Dafür gibt es auch einen guten Grund – DAs Stromnetz weiß nicht, um welche Art Ladeeinrichtung es sich handelt. Das Stromnetz weiß nur, es wird Strom gezogen. Ob Ihr Elektroauto mit 11 kW aus der CEE-Steckdose oder einer Wallbox mit 22 kW geladen wird ist also nicht erkennbar. Folglich gelten hier dieselben Vorschriften wie bei fest installierten Ladeeinrichtungen. Wichtig ist, dass durch die Meldung einer Ladestation beim Netzbetreiber zukünftigen Potenziale und Risiken mit Blick auf das Lastprofil des Niederspannungsnetzes besser zu prognostizieren und Vorkehrungen einfacher zu treffen sind. Melden Sie Ihre Ladevorrichtung nicht an, so sind die Auswirkungen auf das Stromnetz unmöglich vorherzusehen. Daher wird in der VDE‑AR‑N 4100, Kapitel 10.6.4 auch festgehalten, dass Netzbetreiber die Möglichkeit haben muss, die Last zu unterbrechen.

Die Lastunterbrechung kann durch einen Rundsteuerempfänger und Leistungsschütz oder einen Rundsteuerempfänger und Hilfskontakt in der Ladevorrichtung erfolgen und verhindert somit einen flächendeckenden Stromausfall in möglichen Szenarien.

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